Ein Netzwerk der Solidarität

Die Geburt der Plattform www.krimiautoren.at im Jahre 2005 ist der Unwissenheit eines Journalisten zu verdanken, der beim Debüt eines Kollegen gemeint hatte, er sei der erste Krimiautor nach Wolf Haas und Alfred Komarek. Dass es zu jenem Zeitpunkt bereits eine – wenn auch noch im losen Zusammenhalt verbundene – junge Krimiszene in Österreich gab, war dem Mann sichtlich entgangen. Dabei waren damals schon so prominente Namen wie Edith Kneifl und Eva Rossmann darunter (beide längst in Deutschland und Österreich erfolgreich); aber auch AutorInnen wie Lisa Lercher, Sabina Naber und Andreas Pittler, die allesamt bereits mehrere Romanen vorzuweisen hatten.

Diese Szene war auch jenseits des literarischen Schaffens sehr aktiv gewesen. So hatte Helga Anderle eine große Konferenz der A.I.E.P. (internationale Krimiautorenvereinigung) in Wien organisiert und gemeinsam mit Beatrix Kramlovsky die österreichische Abteilung der Sisters in Crime gegründet, die nicht nur mit österreichweiten Lesungsveranstaltungen und erfolgreichen Publikationen auf sich aufmerksam machte (etwa mit der Anthologie "Tatort Wien", hrsg. v. Edith Kneifl, Milena 2004), sondern die später auch als Motor bei der Gründung der Krimiautoren-Plattform fungierte.

Zudem veranstalteten die österreichischen Krimiautoren seit 2002 die höchst erfolgreichen Wiener Kriminächte (2002 im Buch & Wein, 2003 im Bellaria-Kino und 2004 im Porgy & Bess – Bilder zu Letzterer siehe Bildergalerie), bevor das echo Medienhaus diese zur „Kriminacht im Wiener Kaffeehaus“ ausweitete.

Österreichs Krimiszene lebte also – und die AutorInnen wollten in Zukunft verhindern, dass die Medien auf Kosten aller anderen einen Autor oder eine Autorin als einsame Fackel in der Krimidüsternis präsentierten, denn … wir waren und sind nicht nur freundschaftlich verbunden, sondern solidarisch. Da die wachsende Fangemeinde ebenfalls aktuelle Informationen verlangte, machten wir uns schließlich gemeinsam ans Werk. Mit der A.I.E.P. wurde der passende Trägerverein gefunden, für die Gestaltung der Homepage zeichneten Sabina Naber und Susanne Schubarsky verantwortlich (gesponsert von net4you). Es wurde eine Erfolgsgeschichte …

Mittlerweile präsentiert die Plattform rund 90 Prozent der österreichischen Krimiautoren und ist zu einem medial beachteten Netzwerk geworden, die Mitgliederzahl ist inzwischen von einer Handvoll auf über 90 AutorInnen und Krimiexperten gestiegen. Das Freundschaftliche wird noch immer mit regelmäßigen Treffen gepflegt. Darüber hinaus profitieren Nachwuchsautoren vom Know-how und von den Kontakten etablierter KollegInnen, denen wiederum frisches Blut in ihren Reihen neue Impulse verleiht.

2008 gelang es, den Bekanntheitsgrad der Plattform beträchtlich auszubauen, als das Syndikat (Vereinigung deutschsprachiger KrimiautorInnen, die mit Österreich eng zusammenarbeitet) Wien zum Schauplatz der Criminale auserkor. Unter der Leitung von Sabina Naber (seitens des Syndikats) und des echo Medienhauses (unter der Federführung von Isabella Krumhuber) wurde das größte deutschsprachige Krimifestival erstmals in Österreich ausgerichtet – unter der engagierten Mitarbeit vieler KollegInnen, allen voran Beate Maxian, Ilona Mayer-Zach, Susanne Schubarsky, Thomas Wollinger und Günter Zäuner.

Doch auch aktuell – unter der Leitung von Claudia Rossbacher – macht die österreichische Krimiszene auf sich aufmerksam: Seit März 2009 wird in jeder "Presse am Sonntag", auf der Presse-Homepage und im e-paper ein Rätselkrimi eines Mitglieds veröffentlicht; von Mai bis Juli 2010 erschien im Freizeit-Magazin des Kurier (online und in der Druckausgabe) der Fortsetzungskrimi „Frau Trude und die mysteriöse 77“.

Im Juni 2010 wurde auf Initiative der österreichischen Krimiautoren – unter besonderem Engagement von Andreas Pittler – der Leo-Perutz-Preis der Stadt Wien für Kriminalliteratur ins Leben gerufen, den die Stadt Wien und der Hauptverband des österreichischen Buchhandels fortan jährlich unterstützt. Der mit € 5.000,- dotierte Krimipreis wurde erstmals im Rahmen der 6. Wiener Kriminacht im September 2010 an Stefan Slupetzky verliehen.

Ebenfalls im September 2010 ist die Anthologie "Gemischter Satz" (Hs. Sabina Naber) erschienen, im Mai 2011 folgt die Wiener Kaffeehaus Krimianthologie (Hs. Edith Kneifl), in denen namhafte österreichische AutorInnen mörderische Kurzgeschichten zu den jeweiligen Themen kredenzen.

Dem Einastz von Günther Zäuner ist es zu verdanken, dass Wien die erste fixe Krimibühne im Restaurant Café Wien Drei, Marxergasse 7 erhält, die ab 30. März 2011 14-tägig Krimilesungen anbietet. Und nicht zuletzt engagieren sich Gerhard Loibelsberger, Edith Kneifl und Helga Anderle für ein mehrtägiges Krimifestival im Theater in der Drachengasse, um ab dem Frühjahr 2012 alljährlich eine mehrtägige aktuelle Leistungsschau der Österreichischen Krimiautorinnen und -autoren auf die Beine zu stellen.

Leitung der Plattform www.krimiautoren.at:
Sabina Naber (2005 bis 2008)
Claudia Rossbacher (2009 bis 2011)



 

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